CHKD

New Retail & Künstliche Intelligenz – Das 5. Europe Forum beleuchtet die Technologien der Zukunft

Am 5. Juli fand das diesjährige Europe Forum in der BMW Welt, München statt. Organisiert wurde die Veranstaltung, die mit rund 300 Teilnehmern erneut großes Interesse weckte, bereits zum fünften Mal von der China Europe International Business School (CEIBS) und der Chinesischen Handelskammer in Deutschland (CHKD).

Experten und Branchenkenner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren geladen und diskutieren unter dem Titel „Fresh Impetus for China-Germany Cooperation: Consumption Upgrade and Technological Revolution“ über Trends, Nutzen und Auswirkung der Technologien der Zukunft. Dabei standen weniger das stockende Handelswachstum zwischen Deutschland und China oder die gesunkenen Wachstumsprognosen Chinas im Mittelpunkt, sondern viel mehr Impulse und Trends, die als Wachstumsquellen für die nächsten Jahrzehnte gesetzt sind.

Schon zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, dass Themen wie autonomes Fahren, 5G, Künstliche Intelligenz (AI), Robotik, Quanteninformation, Big Data aber auch New Retail sich nicht mehr von einzelnen Unternehmen, einzelnen Ländern oder Staaten umsetzen lassen – „das sind die größten Herausforderungen der zukünftigen globalen Gesellschaft und lassen sich nur gemeinsam in die richtige Spur lenken“, sagte WANG Weidong, Gesandter Botschaftsrat von der chinesischen Botschaft in Berlin.

Die Veranstaltung wurde im weiteren Verlauf in zwei Teile gegliedert. Die erste Panel-Diskussion beschäftigte sich überwiegend mit New-Retail-Strategien und dem veränderten Konsumverhalten. Der Präsident der CHKD, ZHENG Donglin beschrieb, dass eine neue Generation von Konsumenten mit ganz spezifischen Wünschen und Ansprüchen in China herangewachsen ist, die auf gute Qualität setzt und stark markenorientiert ist. „Made in Germany steht in China noch immer für besondere Qualität. Deutsche Unternehmen haben mit Chinas neuer konsumfreudiger Generation einen großen Markt zu sättigen und werden hier großes Wirtschaftspotential ausschöpfen können“, so Zheng weiter.

New Retail bringt enorme Veränderungen und auch viele neue Möglichkeiten mit sich, darin waren sich alle Teilnehmer einig. Prof. Katherine Xin von der CEIBS unterstrich die Bedeutung der Konsumforschung und der Kundenzufriedenheit. „Der Trend ist stark nutzerorientiert, es werden große Mengen an Daten gesammelt und ausgewertet, ständig neue Innovationen entwickelt und über unterschiedliche Kanäle gestreut. New Retail steht für eine deutlich effizientere Erfahrung im Einkauf, die durch schnelles Internet, Big Data, mobiles Zahlen, Virtuelle Realität, AI und viele weitere Innovationen unser gesamtes Konsumverhalten revolutionieren wird“, so die Professorin. „Insbesondere die junge Genration ist heute gezielter durch Bilder und Emotionen zu erreichen, man könne Textnachrichten schon fast ausschließen“, sagte ZHU Yunwei, Design Manager von ortsansässigen JOMOO European Operation Center und fügte hinzu: „Viele Produktinnovationen werden dadurch fast ausschließlich durch Bilder und Emotionen kommuniziert, basierend auf diesen Erfahrungen.“

Die zweite Panel-Diskussion hatte die technischen Entwicklungen hinsichtlich der Auswirkung Künstlicher Intelligenz auf das Konsumverhalten zum Thema. Entscheidungsträger namhafter Unternehmen wie SAP, Huawei, Deutsche Bahn und NIO nahmen an der Expertenrunde teil. David Wang, Deputy CEO von Huawei Deutschland sieht die Zukunft in der Nutzung von Applikationen, wie wir sie heute von Smartphones kennen. Schaut man nach China, benötigt ein Großteil der Chinesen nur noch eine App, wie beispielsweise WeChat. Mit dieser App lässt sich zahlen, arbeiten, shoppen, organisieren, einfach alles. In Zukunft werden diese Apps jedoch nicht mehr zwingend auf dem Smartphone zu finden sein. Wang sagte: „Schon bald werden wir kein Smartphone mehr in der Hosentasche oder Hand haben, sämtliche Funktionen können in einer Brille oder sogar im Körper implantiert sein.“ Auf eine Publikumsfrage, weshalb in China Innovationen und Produkte so viel schneller auf den Markt kommen als in Deutschland, waren sich alle Experten einig. In Deutschland wird zu viel reguliert und evaluiert bis letztlich ein Produkt auf den Markt kommt. In China herrscht eher der „try and error approach“. So werden 10 Produkte eingeführt, wenn sich davon zwei als richtig und gut erweisen, ist das Ziel erreicht. Zu dem kommt, dass die Regierung in China solche Projekte massiv fördert und auch die passende Infrastruktur bietet.

Insgesamt waren sich die Experten auch in folgendem Punkt einig: „AI ist bisher nur im sprachlichen Gebrauch ein Teil unserer Realität geworden. Wir befinden uns erst am Beginn einer neuen Welt. Bevor Künstliche Intelligenz komplett in unserem täglichen Leben stattfindet, müssen Regeln geschaffen werden, wie Sicherheitskriterien und eine globale Moral hinsichtlich der bisher unentdeckten Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz“, so Wang. Dass Datenschutz das nächste große Thema sein wird, bestätigten auch Andreas Hube, Global Vice President SAP und Sisi Zheng, Head of China Technology bei der Deutschen Bahn. Es werden Gesetze benötigt, die diese Masse an Big Data schützen aber zugleich nicht ausbremsen.

Nach dem inhaltlichen Teil der Veranstaltung bot sich den anwesenden Gästen bei einem gemeinsamen Get-together ausreichend Zeit zum Netzwerken.